Halbierte Kugeln aus Beton in verschiedenen Grössen stehen in Caluzis Atelier in Domat/Ems. Die einen stecken noch in einer Gipsform, die anderen sind bereits herausgeschält und sollen nun noch eine Abdeckung erhalten. Zwischen 100 und 120 Kilogramm wiegen die grössten. Einmal fertig, werden sie als Salontische in Wohnzimmern stehen. «Auf diese da» – Caluzi zeigt auf die eine – «werde ich eine Platte aus Wurzelholz setzen. Geschliffen und klarlackiert sieht das dann aus wie die Armaturen eines Rolls-Royce.» Eigenwillig, zugegeben, aber mit Stil und ästhetischem Sinn für zeitlose Schlichtheit.
Esstisch aus Edelstahl
Caluzis Philosophie ist einfach. «Echtheit und Ehrlichkeit», umschreibt er sie selber knapp und klar. Nach diesen Vorgaben arbeitet er auch. So zum Beispiel bei einem Tisch, den er als Massanfertigung für einen Kunden herstellte. Die Familie wünschte sich einen grossen Esstisch und beauftragte Caluzi mit dem Design, der Materialauswahl und der Fertigung des Familientreffpunktes. Seine Idee erschien auf den ersten Blick einfach, erforderte in Wirklichkeit dann aber eine intensive Planung. Das Resultat ist ein drei Meter langer Tisch aus 500 Kilogramm Edelstahl. Puristische Eleganz schlechthin.
Die arabische Nuss als Salontisch
«Wenn mir eine Idee nicht mehr aus dem Kopf geht, fange ich an», sagt er. So begann auch der «Araber», ein Salontisch, mit Form und Struktur einer Nussschale. Auf die Frage, warum er ihn «Araber» nennt, meint Caluzi augenzwinkernd: «Wer sich einen solchen Couchtisch zulegen will, muss fast im Ölgeschäft tätig sein.» Für diesen «Araber» also modellierte er im letzten Winter eine halbe Baumnussschale aus Lehm – Originalgrösse 2,5 Zentimeter, Modellgrösse 80 Zentimeter – welche er nun in einer Kunstgiesserei in Bronze giessen lässt. Anschliessend wird das Werk patiniert. Ein Salontisch oder ein Kunstobjekt, wie man es denn sehen will. Sicher aber wie viele andere, die er in seinem Atelier entwirft und herstellt, eines seiner zeitlosen Unikate.
Zeitlos mit antikem Mauerwerk
Eine grosse Leidenschaft hegt Caluzi für antike Backsteine. «Architektur, Design und Kunst ist mein Leben», erklärt er mit einem Blick auf ein Palett dieser alten Steine. Die meisten, die er bei sich im Lager hat, stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert und aus abgebrochenen Gebäuden aus dem Norden. «Sie müssen Einmaligkeit und Geschichte haben», stellt er die eigenen Anforderungen klar. Er habe im Lager auch solche aus der Zeit der spanischen Herrschaft über die Stadt Brüssel aus dem 17. Jahrhundert mit römischem Format, erzählt er. «Richtig vermauert sehen sie fantastisch aus», fügt er an. Und ergänzt: «Die habe ich noch sichern können, bevor Abramowitsch das halbe Lager aufgekauft hat.» Wo sie eingesetzt werden, weiss er noch nicht. Sicher ist aber, dass er mit seinem Sinn für Ästhetik und seinen schöpferischen Fähigkeiten den richtigen Platz dafür finden wird.