Abos!

WASSER ERLEBEN, WASSER NUTZEN.

In der Wasser- und Energiezentrale Punt Gronda können Jung und Alt die «sinfonia d'aua» erleben und mehr über das Wasser und seine Läufe und Kreisläufe im Karst­gebiet von Flims erfahren. Wer den Besucherraum betritt, schreitet durch einen Wasservorhang, man schaut hier auch direkt in den Turbinenraum. Eine faszinierende Welt zwischen Natur und Technik tut sich auf. Ein Besuch, der sich lohnt.


Text: Claudia Soliva  

Bilder: m2fel.ch; flimselectric.ch

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Wer das Rauschen des Flem hört oder in den stillen Caumasee schaut, begreift, dass die ganze Region Flims vom Wasser geprägt ist – sowohl oberirdisch wie auch unterirdisch. Durch geheimnisvoll verzweigte Karstsysteme fliesst das Wasser im Kalkgestein hinunter bis in die Rheinschlucht. Dabei wird es auf vielfältige Weise genutzt – von der umweltfreundlichen Beschneiung über die Trinkwasserversorgung bis zum Ökostrom- und Wärmelieferant. All dies verdankt Flims seiner wasserreichen Natur. Im Gebiet des prähistorischen Bergsturzes musste sich das Wasser über Jahrtausende neue Wege suchen – sowohl der Cresta- wie der Caumasee werden unterirdisch gespeist. Der Caumasee ist sozusagen wie das Fenster zu einem Grundwassersee – auch das kann man in der Wasser- und Energiezentrale Punt Gronda erleben, denn hier zeigt ein sprudelnder Glaszylinder bei der Treppe zum Besucherraum den aktuellen Pegelstand des Sees. Auf der Basis faszinierender Naturphänomene und der nachhaltigen Nutzung der Wasservorkommen entstand unter Feder­führung der Flims Electric AG das technische Kulturprojekt sinfonia d'aua. Diese Sinfonie des Wassers umfasst das gesamte Gebiet von den Gipfeln der Tektonikarena Sardona bis hinunter zur Ruinaulta.


Magisch verbunden: Der Glaszylinder zeigt den aktuellen Pegelstand des Caumasees.Zentrum der sinfonia: die Wasser- und Energiezentrale Punt Gronda.

Punt Gronda

Gebündelt werden die Informationen zur sinfonia d'aua dort, wo auch das Wasser genutzt wird, in der Wasser- und Energiezentrale Punt Gronda. Sie ist das «Herz» der sinfonia d'aua, in ihrem Inneren produzieren vier Turbinen jährlich 15 GWh erneuerbare Energie aus Wasserkraft. Zwei grosse Reservoirs und eine komplexe Apparatekammer bilden ein Kernelement der Flimser Trinkwasserversorgung. Die Infrastruktur für die Beschneiungsanlagen und die Wasserzu­führung zur indirekten Speisung des Caumasees, welche jedoch nur bei grosser Trockenheit benötigt wird, sind ebenfalls darin enthalten. Bereits vor dem Gebäude informieren farbige Tafeln über den Wasserhaushalt von Flims. Drinnen kann – in einem multimedial gestalteten Besucherraum – die vielseitige und schonende Nutzung der Ressource Wasser hautnah miterlebt werden. Informationen dazu und zu Führungen mit Wanderungen für Gruppen und Firmen finden Sie auf www.wasserweltenflims.ch.


Eine Schiebetür aus Wasser.Blick durch den Wasservorhang in den Besucherraum.

Eine Zentrale – viele Aspekte

Wer die Flimser Wasserwelt genauer betrachtet, wird eine Reihe von unbekannten Aspekten entdecken – von den vier natürlichen Karst- und Grundwassersystemen, in denen sich das Wasser seinen Weg durch das Kalkgestein sucht, über die Nutzung dieses Wassers bis zur Schaffung eines Anergienetzes, welches grosse Gebäude von Flims – darunter das STENNA-Center – mit Wärme und Kälte versorgt. Dabei wird dem bereits zur Stromerzeugung im Kraftwerk Stenna genutzten Wasser hochwertige Wärmeenergie entzogen. Dies geschieht mittels Berieselungsplattentauscher vor der Rückgabe des Wassers in den Flembach. Über einen Glykol-Kreislauf wird die so gewonnene Wärme zwei Hochleistungswärmepumpen zugeführt und die Temperatur auf Heizniveau erhöht. Jährlich werden damit rund 500 000 Liter Heizöl eingespart, was eine Reduktion von 1300 Tonnen CO2 ergibt. In einem nächsten Schritt wird das Anergienetz mit Wärme aus dem beim Bau des Umfahrungstunnels Flims ange­stochenen Karstsystem erweitert.

Mit der Fertigstellung der sinfonia d'aua konnte auch die natürliche Dynamik des Caumasees, mit seinem jeweils im Frühsommer um rund sieben Zentimeter ansteigenden Pegelstand, erhalten bleiben. Die wegen dem Karstanstich im Tunnel Flims fehlende Wassermenge wird mit hochreinem Karstwasser aus dem Platt-Alva-Bach über natürliche Ver­sickerungsstellen kompensiert. All das – und vieles mehr erfahren die Besucher in der Zentrale Punt Gronda.


Wasserfassung Segnas mit simultan-dynamischer Restwasserregulierung.

Wasserspiel

Bereits auf dem Weg zu dieser Zentrale liegt seit 2017 das Wasserspiel, das den Strassenverlauf auf einer Strecke von 100 Metern begleitet. In die Mauerkrone ist ein wasserführender Holzkanal eingelegt, der aus einer Quellgrotte am oberen Ende gespeist wird und den das Wasser in einem Strudeltopf am unteren Ende verlässt. Dazwischen erfährt die Rinne in ihrem Verlauf drei spielerische Variationen als Waschbrett, Speier und Kaskade. Durch die wechselnden Arten des Fliessens wird das Wasser zum Tröpfeln, Murmeln, Plätschern, Rauschen und Gurgeln gebracht, ein Sinnbild der Sinfonie in fünf Sätzen unterschiedlicher Tempi und Längen. Diese «Wassersinfonie» wurde in Analogie zur natürlichen Dynamik und den Klängen des Flem geschaffen. Hier kann man Wasser mit allen Sinnen erleben. Die Wasserrinne mit ihrer spielerischen Komponente ist für Familien und Kinder ein willkommener Zwischenhalt. Das Wasserspiel ging als Siegerprojekt aus einem Wettbewerb hervor und wurde 2017 von Raderschall Partner AG Landschaftsarchitekten konzipiert und umgesetzt. Es ist Teil des beliebten Wanderwegs Trutg dil Flem, der vom Segnesboden dem Wasserlauf des Flem folgt und dabei über sieben vom bekannten Brückenbauer Jürg Conzett konstruierte Brücken bis nach Flims herunterführt. Damit konnte die Gemeinde Flims das Thema Wasser mit einem weiteren sinnlich-spielerischen Aspekt ergänzen.


Das Wasserspiel für Gross und Klein......rauscht und gurgelt, plätschert und murmelt.